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Launch der nVidia NV35 & ATi Radeon 9800 Pro 256 MB

13. Mai 2003 / von Leonidas / Seite 2 von 2


Es bleibt letztlich als letzte Änderung der GeForceFX 5900 Serie eine Verbesserung des Anti-Aliasings und anisotropen Filters, wofür nVidia der Karte dann auch die Feature-Bezeichnung Intellisample HTC anstatt des reinen Intellisample der GeForceFX 5800 /Ultra spendierte. Abgesehen von einer hardwareseitigen Verbesserung einiger Kompressionsalgorithmen, welche ebenfalls in den Bereich dieses Marketingnamens fallen, sind die Verbesserungen bei Anti-Aliasing und anisotropen Filter allerdings vermutlich nicht per Hardware umgesetzt, sondern werden durch den Detonator 50 erreicht, von welchem der in den bisherigen Tests dieser Karte verwendete und inzwischen auch inoffiziell zu habende Treiber 44.03 eine Vorab-Version darstellen soll.

An dieser Stelle sind wir jedoch schwer enttäuscht über die Arbeit der gut zwei Dutzend bisherigen Reviews zur GeForceFX 5900 Ultra: Nur vier davon haben sich die Mühe gemacht, die Anti-Aliasing und anisotropen Modi einer echten Tiefenprüfung zu unterziehen (x-bit Labs, nV News, Hard|OCP und AnandTech), wobei selbst diese Untersuchungen unserer Meinung nach (und gemessen an unseren Vorstellungen einer solchen Untersuchung) nicht wirklich zufriedenstellend durchgeführt wurden.

Zumindestens lässt sich nun sagen, daß die neuen Filter-Modi der GeForceFX 5900 Serie wohl den Filtermodi der bisherigen GeForceFX-Karten entsprechen, nur unter anderem Namen: Application heißt nun Quality (im deutschen Treiber "Qualität"), Balanced heißt weiterhin Balanced ("Leistung") und Aggressive heißt nun Performance ("Hohe Leistung"). Damit beendet nVidia die kurze Zeit, als im Detonator-Treiber der Balanced-Modus "Quality" genannt wurde, um eine Nähe zum gleichnamigen ATi-Modus zu suggieren. Ohne daß wir uns an dieser Stelle nun darüber streiten wollen, ob dieser inzwischen aufgehobene Vergleich fair ist oder nicht, sorgte jener doch zumindestens für einige Verstimmung im ATi-Lager. Zudem stellt nVidia bei der GeForceFX 5900 Serie nun den Quality-Modus als default ein, nicht mehr wie bei den bisherigen GeForceFX-Karten den Balanced-Modus.

Laut den wenigen vorliegenden Screenhots ernstzunehmender Testprogramme für die Filterqualität des anisotropen Filters (in diesem Fall sind die theoretischen Testprogramme klar besser geeignet, die von vielen Seiten geposteten Screenhosts sind dagegen schwer suboptimal, da sie immer nur Ausschnitte aus dem Leistungsspektrum des jeweiligen Filtermodus zeigen können) entsprechen die neuen Modi bis auf die Namensänderung den alten Modi - unter der OpenGL-Version der "Texture Filter TestApp" wohlgemerkt. Die Direct3D-Version hat leider keiner eingesetzt, diese zeigt wahrscheinlich auch auf der GeForceFX 5900 Ultra keine Unterschiede zwischen den Filtermodi der nVidia-Karte, wie dies bereits bei der GeForceFX 5800 Ultra der Fall war.

Allerdings erscheint uns der Balanced-Modus unter OpenGL bezüglich der trilinearen Filters noch weiter optimiert als in den vorherigen Treibern. Der Balanced-Modus unter OpenGL sieht nun mehr nach einer auf bessere Qualität optimierte bilineare Variante aus als früher wie eine auf bessere Performance optimierter trilineare Variante aus. Damit bietet er sich natürlich kaum noch als Vergleichsobjekt gegen ATi´s Quality-Modus an, welcher ein auf bessere Performance optimierter trilineare Modus ist. Dieser Vergleich erledigt sich nun aber sowieso, da nVidia den eigenen bestmöglichen Quality-Modus gegen ATi´s Quality-Modus setzt. In gewissem Sinne gleicht nVidia damit den bisher zumeist angemäkelten Rückstand bei der Bildqualität unter dem anisotropen Filter wieder aus, allerdings nicht durch eine Verbesserung der bestehenden Modi, sondern eigentlich nur durch das Setzen des früheren Application-Modus als default.

Diese Aussage zur Verbesserung der Bildqualität gilt allerdings wieder nur für OpenGL, denn unter Direct3D sieht die Filterqualität der nVidia-Modi bekanntlich wieder ganz anderes aus (dort sieht jeder Modus gleich aus, die höhere Performance kommt über andere Optimierungen). Leider erwähnt diesen Umstand kein einziger der bisher veröffentlichen Artikel, welche damit in Punkto Untersuchung der Qualität des anisotropen Filters klar nur das Prädikat "halbgar" bekommen können, ganz besonders weil die wichtigen theoretischen Qualitätsvergleiche zu den ATi-Karten fast komplett fehlen.

Leider wird es im Fall von Anti-Aliasing kaum nicht besser, hier haben auch die vier genannten Webseiten zumeist nur ein besseres Standardprogramm heruntergespult. Zumindestens ist hier aber die Faktenlage eindeutiger zu erkennen als beim anisotropen Filter - einfach dadurch, daß sich kaum etwas zur GeForceFX 5800 /Ultra geändert hat. Die einzige Änderung ist, daß im Detonator Control Panel kein 16x Modus mehr auftaucht, welcher unter Direct3D eh nur ein 12x Modus war - eventuell hat nVidia ja unseren Artikel diesbezüglich gelesen und wollte weiteres Aufsehen vermeiden ;-). Die 12x und 16x Modi sind aber wahrscheinlich weiterhin inoffiziell über Tweaktools wie unseren aTuner für den Anwender zu erreichen, leider hat dies kein einziger der Hardware-Tester ausprobiert.

Die Anti-Aliasing Modi der GeForceFX 5900 /Ultra erscheinen desweiteren allesamt komplett gleich zu denen der GeForceFX 5800 /Ultra zu sein, womit unser bisheriger Anti-Aliasing Bildqualitäten-Vergleich zwischen ATi und nVidia weiterhin uneingeschränkt gilt. Wo hier allerdings die definitiv versprochene Verbesserung des NV35-Chips oder des Detonator 50 bezüglich des Anti-Aliasings sein soll, ist uns ein Rätsel. Weiterhin hat der 4xS Modus unter Direct3D einige Mühe, bezüglich der Bildqualität hinter dem 4x Modus von ATi hinterherzukommen, wohingegen dieser Vergleich unter OpenGL deulichst an ATi geht.

Bei den höheren Modi bietet dann nur ATi mit seinen 6x Modi jeweils unter OpenGL und Direct3D noch einen halbwegs vernünftigen Mix zwischen Performance und Bildqualität an, während nVidia´s höhere Modi über 4xS entweder keine wirkliche bessere Bildqualität (6x unter Direct3D, Standard 8x unter Direct3D) oder aber einen zu großen Performance-Verlust abliefern (8x unter OpenGL, aTuner 8xS unter Direct3D, 12x unter Direct3D, 16x unter OpenGL). Es ist also letztlich überhaupt nicht zu sehen, daß nVidia hier etwas bezüglich der Bildqualität von Anti-Aliasing und anisotropen Filter getan hat - es wurde einzig die Rohleistung der Karte erhöht, damit jene die schon vorher vorhandenen hochwertigeren Modi schneller abspulen kann.


Letzteres fällt aber ins Gebiet der Benchmarks, welchen wir uns hiermit letztlich zuwenden wollen. Dazu haben wir uns alle zwei Dutzend Reviews durchgelesen und die dort erstellten Benchmarks in eine Tabelle eingetragen, welche die Radeon 9800 Pro mit 128 MB mit der GeForceFX 5900 Ultra vergleichen soll (von der 256-MB-Version der Radeon 9800 Pro liegen zu wenig Werte für einen solchen Vergleich vor). Dabei konnte allerdings keinerlei Rücksicht auf die unterschiedlichen bei den ATi-Karten zum Einsatz kommenden Treiber genommen werden (von Catalyst 03.2 bis 03.4 war alles vertreten), in dem einzigen Test mit der Beteiligung zweier Catalyst-Treiber offenbarte der noch nicht releaste Catalyst 03.4 jedoch keinerlei Performance-Zuwächse.

Nachfolgend also der Schnitt aus den bisherigen Benchmarks, wobei wir nur echte Spiele und keine theoretischen Tester zugelassen (was alle Flyby-Messungen von Unreal Tournament 2003 einschließt) sowie die Doom III Benches von AnandTech aufgrund des dort eingesetzten Medium-Settings (unter HighQuality sieht es nämlich ganz anders aus bei Doom III) herausgelassen haben. Die Basis der nachfolgenden Prozentangaben ist immer die Radeon 9800 Pro 128 MB, es wird also der Vorsprung der GeForceFX 5900 Ultra zu dieser ausgedrückt (Filtersettings bei ATi und nVidia immer "Quality"):


  Differenz GeForceFX 5900 Ultra
vs. Radeon 9800 Pro 128 MB
ohne AF/AA
Differenz GeForceFX 5900 Ultra
vs. Radeon 9800 Pro 128 MB
8xAF + 4xAA
1024x768 3,7 %
(16 Werte)
7,5 %
(16 Werte)
1280x1024 5,3 %
(15 Werte)
11,5 %
(22 Werte)
1600x1200 5,9 %
(16 Werte)
17,4 %
(21 Werte)


Normalerweise sollte diese Form der Auswertung der vorhandenen Benchmark-Ergebnisse nicht besonders genau sein, berücksichtigt sie doch nicht die Häufigkeit des Einsatzes eines bestimmten Benchmarks. Erstaunlicherweise lässt sich dennoch eine klare Tendenz erkennen: Ohne Anti-Aliasing und anisotropen Filter liegt die Radeon 9800 Pro nur zwischen 4 und 6 Prozent zwischen der GeForceFX 5900 Ultra zurück. Erst bei Anti-Aliasing und anisotropen Filter am besten ab 1280x1024 ändert sich das Bild und die nVidia-Karte fährt satte Vorsprünge ein. Somit ist die GeForceFX 5900 Ultra in erster Linie eine Karte für Nutzer von Anti-Aliasing und anisotropem Filter unter sehr hohen Auflösungen, darunter ist kaum ein spürbarer Unterschied vorhanden und es können anderen Punkte außerhalb der Performance den Ausschlag bei einer Kaufentscheidung geben.

Zur 256-MB-Version der Radeon 9800 Pro gibt es leider zu wenig Benchmarks, um sie mit in vorstehenden Tabelle aufzunehmen, jedoch ließ sich beobachten, daß diese bis auf sehr seltenen Ausnahmen unter 1024x768 und 1280x1024 egal der eingestellten Bildqualität bezüglich Anti-Aliasing und anisotropem Filter keine Unterschiede zur 128-MB-Version produzierte, oftmals sogar geringfügigst langsamer war. Erst unter 1600x1200 gibt es einige Benchmarks, unter welchen die 256-MB-Version dann teils deutliche Vorteile hat. Für die Nutzer dieser Auflösung ist diese Karte damit interessant, für alle anderen unserer Meinung nach jedoch weniger. Einzig allein, wer eine Karte "für die Ewigkeit" kaufen will, könnte aus diesen Zukunfts-Überlegungen heraus mit den 256 MB Speicher besser fahren, denn irgendwann einmal werden neu erscheinende Spiele natürlich auch von diesen Speichergrößen profitieren können.

Dabei kann das nachfolgende Performance-Fazit aufgrund der noch anstehenden Treiber-Verbesserungen (ATi: offizielles Release des Catalyst 03.4, nVidia: offizielles Release des finalen Detonator 50) natürlich nur vorläufig sein, es lautet aber dato darauf, daß nVidia die Leistungsspitze eindeutig wieder erringen konnte. Genauso eindeutig wie dieser Performance-Sieg der GeForceFX 5900 Ultra ist aber auch die Enttäuschung darüber, daß der Unterschied jener zur Radeon 9800 Pro nicht größer ausgefallen ist. In den meistgenutztesten Settings liegen kaum 10 Prozent Unterschied zwischen diesen Karten - hier hatte man sich vom NV35-Chip doch einiges mehr versprochen.


Nichts desto trotz ist nVidia klar wieder zurück im HighEnd-Geschäft: Die Performance ist exzellent, sie wird zudem über eine exzellente anisotrope Qualität und eine akzeptable Anti-Aliasing Qualität erreicht und letztlich ist auch das Problem der viel zu starken Lautstärke der Vorgängerkarte aus der Welt geschafft. Da sich GeForceFX 5900 Ultra und Radeon 9800 Pro zudem preislich sehr ähneln, schwinkt derzeit das Pendel zwischen diesen beiden Karten eher in Richtung nVidia, wenn auch nur mit hauchdünnem Vorsprung. Wer seine Preferenzen schon etwas anders legt - beispielsweise auf ein möglichst niedriges Betriebsgeräusch oder aber die beste Anti-Aliasing Lösung - ist sofort wieder mit der ATi-Karte besser bedient.

Abseits von diesem Zweikampf an der absoluten Leistungsspitze sehen wir den Hauptkonkurrenten der GeForceFX 5900 Ultra jedoch eher in der Radeon 9700 Pro: Diese liegt zumeist nur ca. 0 bis 10 Prozent hinter der Radeon 9800 Pro zurück, kummulativ also ca. 5 bis 25 Prozent hinter der GeForceFX 5900 Ultra, kostet jedoch mit Preisen von um die 340 Euro im Prinzip ein Drittel weniger als die Listenpreise der GeForceFX 5900 Ultra und der Radeon 9800 Pro 256 MB betragen. So liegt das Preis/Leistungsverhältnis der Radeon 9700 Pro von allen HighEnd-Karten derzeit klar am günstigsten, womit die beiden neuen Karten zu diesen Preisen nur für einen recht kleinen Käuferkreis wirklich in Frage kommen werden.






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